Kaffeerösterei Sylt - Christian Appel

DER GOURMET-KAFFEE MIT INSEL-KICK

Wie hat er zu sein, der perfekte Kaffee? Mokkabraun mit einer sanften Milchnote, oder doch lieber tief schwarz und kräftig ohne jeglichen Firlefanz? Viele kommen nicht ohne ihn aus dem Bett, verlassen das Haus nicht ohne mindestens eine getrunkene Tasse. Die Geschmäcker und Rituale könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch verbindet jeden einzelnen Kaffeetrinker eben diese ganz besondere Liebe zum Genuss. 

Kaffeerösterei Sylt Christian Appel

Von der Idee zur professionellen Rösterei auf Sylt

Für den gebürtigen Insulaner Christian Appel wurde die Liebe sogar so groß, dass er Köln Köln sein ließ, nach 30 Jahren wieder nach Sylt zurückkehrte und eine Kaffeerösterei mitsamt Café eröffnete. Beruflich lief es für ihn in der Medienstadt wunderbar, lange war er nach seinem Studium bei einer Produktionsfirma tätig und erfolgreich. Doch irgendwie kribbelte es in ihm. Das Kaffee-Interesse wuchs immer mehr, die Sehnsucht nach der Heimat wurde größer. Ein spontaner Besuch seines Cousins Okke machte die Träume des zweifachen Familienvaters dann schlagartig greifbar. „Kannste haben“, sagte dieser, als es um die notwendigen Räumlichkeiten für das Herzensprojekt ging. Die Rede war von der Rantumer Halle, in der seit nunmehr drei Jahren die "Kaffeerösterei Sylt - Christian Appel" zuhause ist. Und so wurde aus der ewigen Idee insulare Realität. Lange und ausgiebig hatte sich Christian bereits mit der Kunst des Röstens auseinandergesetzt. Ein Freund, ebenfalls passionierter Röster, weihte ihn in die Geheimnisse ein, denn einen richtigen Röster-Lehrberuf gibt es leider nicht.

Kaffeerösterei Sylt Christian Appel

Pure Kaffee-Begeisterung von Kindesbeinen an

Die gastronomische Erfahrung bringt Christian bereits aus Kindertagen mit. Mutter Elke gehörte eine Pension in Westerland, jeden Tag wurden dort Frühstück und selbstverständlich auch Kaffee serviert. Der war allerdings Chefinnensache, die Kinder durften lediglich zusehen. "Der Kaffee war für meine Mutter sehr heilig, er durfte weder zu dünn noch zu stark, sondern musste einfach lecker sein". Mit diesen Worten stets im Hinterkopf ist es Christians größte Leidenschaft, das Beste aus den Kaffeebohnen dieser Welt herauszuholen. Die kostbare Ware kommt aus Indonesien, Brasilien, Guatemala, Indien, Kolumbien, Kenia und Äthiopien, das Ursprungsland, sozusagen die Wiege des Kaffees. Zu gerne würde er in all diese Länder reisen, die Bauern besuchen und kennenlernen. Doch die gestrenge Siebentagewoche ließ bislang keine der Reisen zu. Und dennoch verläuft der Transport aus den fernen Ländern bis nach Rantum problemlos und transparent. 

Kaffeerösterei Sylt Christian Appel

Christian kennt jeden Namen des jeweiligen Familienbetriebs, weiß, in welcher Höhe der Kaffee angebaut und wie er nach der Ernte weiterverarbeitet wird. Das sind neben der erstklassigen Sortierung wichtige Qualtitäskriterien, auf die das Paar sehr achtet. Christians Ehefrau Nicol steht ihm stets tapfer und stärkend zur Seite, kümmert sich gemeinsam mit ihm zudem um die beiden Söhne, das Café und auch die dazugehörige Backstube. Der Kuchen und die original Friesenkekse werden nach dem traditionellen Rezept von Oma Appel frisch vor Ort gebacken. Allein das Schnuppern der verschiedenen Kaffee- und Gebäckdüfte ist Genuss pur. 

Kaffeerösterei Sylt Christian Appel

Jeden Dienstag, während der Saison auch donnerstags, wird um halb elf die niederländische Giesen-Röstmaschine angeschmissen. Aber vorher wird geputzt, die Überreste der letzten Röstung landen im Staubsauger. Dann geht’s los. Eine Traube aus großen und kleinen Gästen steht schon sehnsüchtig vor dem eleganten 30-Kilowatt-Apparat. „Eine Kundin kam neulich aus dem Staunen nicht mehr raus. Die war nämlich Schornsteinfegerin und freut sich immer sehr über Maschinen mit einer so großen Leistung“, erzählt Christian und kippt dabei exakt 15 Kilogramm Kaffeebohnen in den Röster, der mittlerweile auf zweihundert Grad aufgeheizt wurde. Heute wird eine Espressoröstung gezaubert, die mit 21 Minuten im Gegensatz zum Filterkaffee etwas zeitintensiver ist. Das Geheimnis des Verfahrens ist die Langzeitröstung, nur so können sich die Aromen perfekt entfalten und die Säuren, die sonst Sodbrennen und Magenprobleme verursachen könnten, abgebaut werden. „Deshalb sind unsere Kaffees so bekömmlich und haben extra viel Geschmack.“

Kaffeerösterei Sylt Christian Appel

Nur wenige Minuten nach Röstungsbeginn nimmt Christian die erste Probe. Die anfangs grüne Bohne, die eher nach Heu roch, hat sich mittlerweile leicht bräunlich verfärbt und beginnt langsam nach Kaffee zu duften. „Jedes Land trinkt seinen Kaffee anders. Die Schweden mögen ihn eher hell, die Sizilianer lieber dunkel. Wir sind genau dazwischen. Ich möchte aus dieser Guatemala-Bohne das Schokoladige rausholen.“ Die Eigenschaften dieser Kaffeesorte kennt Christian aus dem Effeff, muss er auch, denn jede Bohne ist in ihrer Struktur und Aromabe- schaffenheit durch die jeweiligen Böden und klimatischen Bedingungen in ihrem Ursprungsland sehr unterschiedlich geprägt. „Deswegen wird so lange ausprobiert, bis das Röstprofil perfekt ist“, macht Christian deutlich. Und dann wird es plötzlich lauter in der Maschine. 

Kaffeerösterei Sylt Christian Appel

Was die Kenner als „First Crack“ bezeichnen, hört sich für die Laien eher an wie munter explodierendes Popcorn. Durch die freigesetzten Röstgase bläht sich die Bohne auf, die äußere Haut löst sich und fällt ab. Aufgrund des Drucks platzt die Bohne auf, was ebenfalls ein wertvolles Indiz für den Fortschritt des Röstvorgangs ist. Nun lässt sich abschätzen, wie lange die Prozedur noch dauert. „Je nachdem, wie der Wind steht und wie stark er ist, kann der Vorgang etwas länger dauern.“ 

"Durch die Sylter Luft bekommt der Kaffee noch mal einen ganz besonderen Kick."

Für das große Finale wird die zuvor gesenkte Temperatur erneut auf zweihundert Grad angehoben. Nach gut zwanzig Minuten wird die Maschine gestoppt und die Röstung beendet. Mit einer Hebelbewegung lässt Christian den Kaffee frei, die gesamten 15 Kilogramm sprudeln aus der Maschine und rotieren nun in voller Pracht im geräumigen Abkühlsieb. Christian schnuppert erneut, blickt mit Stolz auf die neue Röstung. Für den Verzehr direkt sind die frischen Bohnen allerdings noch nicht geeignet. „Die müssen jetzt erst mal zwei bis drei Tage ruhen und abkühlen, damit sie ihr Aroma komplett entfalten können. Und dann riecht man Schokolade, feine Zitrus- oder auch Mandelnoten. Gut Ding braucht eben Weile.“

Kaffeerösterei Sylt Christian Appel

Der Sylter Kaffee-Experte

Keine Frage, Christian ist Fachmann, weiß genau, was er tut und welche Bohne sich wie verhält. Zehn Sorten hat Fa- milie Appel mittlerweile im Programm. Da wäre zum Beispiel Elke, eine Hommage an seine Mutter. Zartfruchtig, schokoladig und sehr vollmundig. Oder die kräftige Buhne-16-Edition, die ab sofort beim kultigen Strandbistro auf der Karte steht. Und dann gibt es da noch eine besondere Mischung, 100 Prozent Arabica-Espresso, bestehend aus Bohnen aus Guatemala und Indonesien namens Okke. Dass sein Cousin, mit dem er hier in den Rantumer Wiesen schon als junger Spund unterwegs war und der ihn praktisch wieder nach Sylt holte, eine eigene Sorte bekommt, „das ist Ehrensache.“ 

Kaffeerösterei Sylt Christian Appel

AUF IN DIE HAFENSTRASSE
Leicht versteckt liegt die Kaffeerösterei Sylt in der Hafenstraße 9 in Rantum. Einfach an den Geschäften und den Wasserkisten der Sylt-Quelle vorbeifahren und in die schmale Straße einbiegen. Der Blick auf Watt und Deich lohnt sich allemal. Geöffnet ist das Café sieben Tage die Woche von 10.30 bis 17.30 Uhr. Wer es nicht nach Sylt schafft, wird sicherlich im Online-Shop fündig: www.kaffeeroesterei-sylt.com

 

 

EIN ARTIKEL FÜR DAS RIEL MAGAZIN 2018

Riel Magazin