Insulanerin Robine Fuhrmann

Viele Insulaner reagieren nur noch mit einem Gähnen, wenn es wieder einmal heißt: Sylt? Da urlauben doch nur die Reichen! Insbesondere dann, wenn noch ein fragendes „Oder“ hinterhergeworfen wird. Mancher Hardcore-Local hätte sich vor gar nicht allzu langer Zeit sicherlich über eine solch stupide Äußerung aufgeregt, mit Emotionen nur so um sich geworfen. Aber wozu? Man lernt ja aus seinen Fehlern und realisiert, dass manche Menschen vielleicht lieber RTL schauen, als sich selbst ein Bild zu machen. Ganz im Gegensatz zu den Syltern. Diese Gattung ist nämlich, man glaubt es kaum, ein Völkchen mit Weitblick, das das Reisen liebt. Nur das Meer muss in Reichweite sein, und natürlich die passenden Wellen.

Robine Fuhrmann, knackige 20 Jahre, gebürtiges Inselkind und frisch gebackene Abiturientin, kann von alledem zahlreiche Lieder singen. Dass das Leben nicht nur aus glassy Druckwellen besteht und nicht nur Halligalli angesagt ist, das hat sie in den vergangenen Monaten aufs Neue gelernt. Umso schöner ist es, dass ihre erste große Reise bevorsteht. Mit dem besten Kumpel Justin im Gepäck geht es einmal um die halbe Welt. Gestartet wird auf Bali, dort war sie bereits zweimal. Danach folgen vier Monate Australien und schließlich ein Monat Neuseeland. Erstmal weg vom Inselknust, über den Tellerrand blicken und neue Wellen kennenlernen. Klingt logisch.

Robine wuppt seit Wochen mindestens drei Jobs parallel, von der Surflehrerin bis zum Pizzataxi, hat dabei die besten Swells verpasst. „Im Moment komme ich echt wenig zum Surfen, trotzdem ich als Surflehrerin ja die ganze Zeit mit im Wasser bin. Aber das macht die Philosophie der Schule eben auch aus, da steht der Schüler im Fokus“, erklärt Robine ihre persönliche Flaute und ihre Arbeit in der Inselkind Surfschule. „In den kommenden Monaten habe ich ja genug Zeit zum Nachholen. Und man lernt ja auch irgendwie dazu, wenn man sieben Tage die Woche im Wasser verbringt. Egal bei welchen Bedingungen und gerade an der Seite von Angelo Schmitt, der Waterman schlechthin. Für mich ist genau das faszinierend am Surfen, auch hier auf Sylt. Das Meer verhält sich immer anders, kein Spot ist identisch. Nirgendwo.“

Wie sehr Robine diesen Sport liebt, liegt klar auf der Hand. Schon von Beginn an hat es sie gepackt. Das ist nun 7 Jahre her, seit dem ist sie dabei geblieben. Wenn sich die Nordsee mal wieder flat und faul zeigt und die Zeit es zulässt,  ist der Fußball ihre zweite Leidenschaft. Wenn sie sich entscheiden müsste zwischen den beiden? „Das geht nicht. Dafür sind sie zu verschieden. Es gibt durchaus Parallelen, beides macht Spaß, das ist klar. Du kannst problemlos alleine surfen gehen, aber alleine Fußball spielen macht nicht viel Sinn, du brauchst den Zusammenhalt“, verdeutlicht Robine. „Ich weiß, Männer mögen es nicht, wenn Frauen Fußball spielen. Beim Surfen ist das was anderes. Die Kerle stehen nunmal auf surfende Chicks. Das interessiert mich aber nicht, denn ich liebe beide Sportarten und mache beides, weil ich Bock darauf habe.“

Was nach dem Urlaub anliegen könnte? Da ist sich Robine noch nicht sicher. „Ein Studium wäre schon sinnvoll. Aber der Gedanke, dass ich irgendwo hinziehen könnte, wo kein Meer und keine Wellen sind, fühlt sich komisch an“, zeigt sie sich nachdenklich. „Es ist schon wirklich schön auf Sylt. Hier weiß ich, wo ich hin kann, wo die besten Ecken zum Surfen sind. Aber natürlich freue ich mich unglaublich auf diese Reise. Ein Traum wird wahr! So viele verschiedene Länder und Surfspots stehen uns bevor. Da beneide ich die Frauen von der World Tour. Zum Beispiel Sage Ercison oder Laura Enever. Ich mag ihren Surf-Stil und ihre Outfits. Welches Mädchen träumt nicht von so einem Leben?“

// Erschienen im blue-online-mag